Die Zeittafel von Nittel (1000 - 1999)

ZEITTAFEL
über die wichtigsten Daten der territorialen Zugehörigkeit von Nittel und über die rechtlichen Verhältnisse ab dem Jahre 1000 n. Chr.

von Hans A. Thiel, 1999

Nittel
war über Jahrhunderte hin eine lothringische Exklave. Der Herzog von Lothringen übte in dieser Zeit das Landeshoheitsrecht aus. Dadurch unterschied sich der Ort weitgehend von den umliegenden Ortschaften.

1.1.1000 Bei einer Schenkung -mit Weinbergen- für das Kloster St. Maria ad martyris ist Nittel als „Nitele“ zum erstenmal urkundlich erwähnt. St. Marien, im Norden von Trier an der Mosel gelegen, ist zu dieser Zeit mit ziemlicher Sicherheit größter Grundbesitzer in Nittel. Das Kloster wurde später von Napoleon säkularisiert, zerstört und ab 1803 abgetragen.
Auf die feststellende Urkunde von Erzbischof Ludolf bezüglich der Schenkung bezieht sich die Gemeinde Nittel bei der „1000 Jahrfeier“ im Jahr 2000.

1030 Eine Urkunde von Erzbischof Poppo bestätigt St. Marien Kirchengüter von Nittel.

1098 Auch St. Simeon, Trier, ist in Nittel begütert und hat damit Rechte im Ort. Bestätigungsurkunde von Kaiser Heinrich IV.

1214 Matthaeus (Matthias) von Nittel erweist sich lt Tiriac (Theoderich) von Malberg, in einer Schenkungsurkunde des Grafen Walram von Limburg und seiner Gemahlin, der Gräfin Ermesinde von Luxemburg für das Kloster Cambray, als luxemburgischer Vasall.

1228 Die in einer Urkunde von Erzbischof Theoderich von Trier festgehaltene Gewährung einer Vogteirente an die Edelfrau Hadewig und ihren Ehemann Hugo aus Nittel unterstreicht den Einfluß von St. Marien in Nittel.

1364 Jacob von Moncler, der Junge, aus dem Hause Clermont, verpfändet ein Stauwehr oberhalb von Nittel an Wetzil von Nittel.
Das dürfte der erste Hinweis sein, daß Nittel zu Lothringen gehört. Spätere Urkunden lassen darauf schließen, daß der Ort schon früher lothringisch war.

1372 Der Herzog von Lothringen hat dem Ritter Jakob von Monkler alle seine Rechte in Hoch-, Mittel- und Niedergericht und die Einkünfte in der Stadt Nittel für eine Summe verpfändet, die Jakob von Monkler ihm geliehen hat. Jakob von Monkler seinerseits hat die Stadt Nittel von den Erben des Johannes Wolf, ehemaliger Schöffenmeister der Stadt Trier, zurückgekauft. Jakob von Monkler verpflichtet sich, gegen die Einwohner keinen Widerstand herbeizuführen und keine Abgaben mehr zu erheben, als dies die alten Bräuche zulassen. Jetzt ist Nittel also rechtlich vollständig lothringisch. Zu dieser Zeit ist Johann Herzog von Lothringen.
 
um 1450
Eine Welle von Freiheitsbriefen gestaltet die herrschaftlichen Rechte um. Das Besthauptrecht, eine Art Erbschaftssteuer an den Grundherren, und die Zwangsheirat unter Leuten derselben Herrn wird weitgehend abgeschafft. Die ersetzenden Urkunden sind jedoch oft strenger. Die Leibeigenschaft bleibt bestehen.

1473 Karl der Kühne von Burgund besetzt Lothringen. Nittel ist unter burgundischer Oberherrschaft.

1477 Rückeroberung Lothringens durch Sieg in der Schlacht bei Nancy über Karl den Kühnen und Erneuerung des Herzogtums Lothringen, zu dem Nittel weiterhin gehört. Nancy wird Hauptstadt von Lothringen.

1588 Verpfändung der Propstei Siersburg und damit auch der zur Propstei gehörenden lothringischen Exklave Nittel an den Trierer Kurfürsten. Nittel ist nördlichster Punkt Lothringens.

1589 Die Landeshoheit ist uneingeschränkt bei Lothringen. Die Hochgerichtsbarkeit ist zwischen dem Kurfürsten von Trier und den Herren von Criechingen (Sitz Burg Créhange bei Metz) geteilt. Die Grundgerichtsbarkeit (niederes Gericht) ist bei dem Abt von St. Marien. Vogtherr sind die Herren von Warsberg. -Stammsitz an der Bist, nahe St. Avold-. Wahrscheinlich sind sie Vögte der Abtei St. Marien.

16.-18. Jh. Lothringen wird mehrfach von Frankreich besetzt, kommt aber immer wieder frei. So ist Nittel mal lothringisch, mal unter französischer Herrschaft und zum Schluß wieder lothringisch.

1606 Ende der Verpfändung der Propstei Siersburg an den Trierer Kurfürsten. Die höhere Gerichtsbarkeit ist jetzt je zur Hälfte zwischen den Herren von Criechingen und dem Herzog von Lothringen geteilt.

1608 Jean Wiltheim, Sekretär und Gräffier vom Provinzialen Rat in Luxemburg erwirbt erhebliche Einkunftsrechte von dem Hause von Criechingen.
 
1637
Samson von Warsberg, Burggraf von Rheineck, damals vermählt in 2. Ehe mit Regina von Rollingen, kauft von der Witfrau Gansen Güter in Nittel.

1665 Willaume Berwould (Guillaume Berwans), Domherr und Träger der Insignien von Aire und Liliers hält die Hälfte der hohen Gerichtsbarkeit für Nittel. 

ab 1735 Im Wiener Frieden, zur Beendigung des Polnischen Erbfolgestreits, wird Stanislas Leszczynski, polnischer Adliger und früherer polnischer König, vom Stammhaus Polen mit dem Herzogtum Lothringen abgefunden. Sitz ist Nancy.
Der lothringische Herzog Franz Stephan, Gemahl der Kaiserin Maria Theresia erhält im Austausch dafür das Großherzogtum Toskana. Nittel gehört weiterhin zum Herzogtum Lothringen.

1751 Einrichtung des Bailliage (höhere Gerichtsbarkeit) in Bouzonville. Das Bailliage ist ab jetzt bis 1769 für Nittel zuständig. Die Propstei Siersburg wird gleichzeitig aufgelöst.

1757-1769 Ernennung der Bürgermeister und Justizpersonen (Schöffen) für den höheren Gerichtssitz von Bouzonville.

ab 1766 Nach dem Tod von Stanislas Leszczynski fällt Lothringen vertragsgemäß an Frankreich. Somit ist auch Nittel unter französischer Herrschaft.

ab 1769 Der König von Frankreich tritt im Vertrag von Versailles im Rahmen des Austauchs von Enklaven seine Hoheitsrechte über Nittel an die Kaiserin Maria Theresia ab. Nittel kommt zur Provinz Luxemburg in den Österreichischen Niederlanden. Somit ist Nittel unter österreichischer Oberherrschaft. Propstei ist Grevenmacher. Es gelten österreichische Landeshoheitsrechte und luxemburgische Amtsverordnungen.

1771 Adelshäuser mit Besitz in Nittel: Grafenfamilie von Warsberg (Beißel von Gimnich) Johann-Karl-Adam Markgraf von Villers, Lothar Ignatz Baron von Haen, Reichsfreiherr Peter von Zitzwitz, Baronin von Soleuvre.

12. 1792 Die französischen Revolutionstruppen sind erstmals in Nittel.

um 1800 Nach der Eroberung der Provinz Luxemburg der Österr. Niederlande und der umliegenden Herrschaftsbereiche durch Frankreich und der Friedensschließung von Campoformio 1797 sowie dem Friedensvertrag von Luneville 1801 war die Region nicht nur de facto, sondern jetzt auch durch Vertrag unter französischer Herrschaft.
Napoleon wird 1799 erster Konsul der französischen Republik und richtet 1800 die Präfekturen in den Départements ein. Nittel ist wieder einmal französisch.

1815 Der Wiener Vertrag regelt u.a., daß die Mosel Grenzfluß zwischen Preußen und Luxemburg wird. Nittel gelangt zu Preußen. (Rheinprovinz) Zu diesem Zeitpunkt ist Friedrich Wilhelm III. König von Preußen. Hauptstadt ist Berlin. Trier wird danach für Nittel regierender Bezirk. Saarburg wird Kreisstadt. Nittel wird Sitz einer Amtsbürgermeisterei mit den Orten Fisch, Littdorf, Köllig, Nittel, Onsdorf, Rehlingen, Temmels, Wellen, Wincheringen.

ab 1824 Die Amtsbürgermeisterei Nittel wird in Personalunion mit der Amtsbürgermeisterei Kanzem geführt.



  ab 1871 Zugehörigkeit zum Zweiten Deutschen Reich innerhalb Preußens nach dem deutsch - französischen Krieg. König von Preußen wird Kaiser Wilhelm I.

1878 Die Amtsbürgermeistereien Nittel und Kanzem schließen sich zusammen und bilden ab dem 1. Januar 1879 das Amt Tawern.

ab 1919 Zugehörigkeit zur Weimarer Republik innerhalb Preußens nach dem ersten Weltkrieg. Friedrich Ebert ist 1. Reichspräsident. Otto Braun ist von 1920 bis 1932 Ministerpräsident von Preußen.

ab 1933 Zugehörigkeit zum sogenannten „Dritten Deutschen Reich“. Zu diesem Zeit- punkt ist Adolf Hitler Reichskanzler und Chef der sogenannten Nationalen Regierung durch Hindenburg. Preußen und die Länder werden gleichgeschaltet.

1945 Die Moselregion wird gegen Ende des 2. Weltkrieges von den Amerikanern erobert und besetzt. Der Kreis Saarburg kommt im Juli 1945 zur neugebildeten französischen Besatzungszone. Luxemburg übernimmt für einige Zeit die Besatzung Nittels.

Juli 1946-Juni 1947 Auf Verfügung Nr. 8 vom 20.7.1946 des Oberkommandierenden der französischen Zone, General König, gehört der Kreis Saarburg und somit auch Nittel, dem Regierungspräsidium Saar und dann ab 20.10. 1946 der Verwaltungskommission Saar an. Da Amerikaner und Briten die Gebietserweiterung nicht anerkennen, kehrt der Kreis Saarburg, um 20 Gemeinden verkleinert, auf Anordnung Nr. 93 des Generals Pierre Koenig in den Regierungsbezirk Trier zurück.

ab 1947 Nittel gehört dem neu gegründeten Land Rheinland-Pfalz an. Landeshauptstadt wird Mainz. Zuständiger Regierungsbezirk für Nittel ist Trier Kreisstadt ist Saarburg Amtssitz ist weiterhin Tawern
  ab 1949 Zugehörigkeit zur neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland. Hauptstadt ist Berlin. Sitz der Bundesregierung ist jedoch Bonn. Die Bundesländer werden bestätigt. Bundespräsident ist Theodor Heuss, Bundeskanzler ist Konrad Adenauer. Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz ist Peter Altmeier.

8.6.1969 Im Zuge der Kreisreform werden der Kreis Trier und der Kreis Saarburg aufgelöst und der neue Kreis Trier-Saarburg wird gebildet.

7.11.1970 Das Amt Tawern, das inzwischen den Status einer Verbandsgemeinde erhalten hatte, wird im Zuge der Reform der Kommunalverwaltungen aufgelöst und kommt zur Verbandsgemeinde Konz.

1999 Umzug der Bundesregierung nach Berlin. Damit ist Berlin nicht nur Hauptstadt Deutschlands sondern faktisch auch Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland.

Anmerkung:
Um keine Zweifel über das Alter von Nittel aufkommen zu lassen, sei eines klargestellt: Die Urkunde und das Datum 1.1.1000 sagen wenig über das tatsächliche Alter des Ortes aus. Sie markieren gewissermaßen nur einen Meilenstein. Einen nicht unerheblichen und für den Ort Nittel sehr schönen Zeit- und Anhaltspunkt, jedoch gesamtzeitlich gesehen, lediglich eine zum kurzen Verweilen einladende Durchgangsstation in der langen und interessanten Nitteler Historie. Denn eine vor diesem Datum liegende Jahrhunderte lange fränkische Zeit und eine noch frühere römische Zeit sind durch Funde gesichert. Ein erst jetzt bekannt gewordener Fund geht sogar in die Zeit des Kaiser Augustus, also rund 2000 Jahre zurück, ziemlich genau zu Christi Geburt. Ein weiterer, erst jetzt registrierter Fund größerer Mengen von römischen Ziegeln und Gebrauchsgut im Ortsbereich zeigt das frühere Vorhandensein eines römischen Anwesens. Das älteste Fundstück stammt dabei aus dem 2. Jahrhundert (100-200 n. Chr.)
Und es ist bei den Überlegungen zum Alter des heutigen Nittel darüber hinaus auch noch erlaubt, einen Blick in eine noch frühere als die römische Geschichte des Ortes zu werfen, denn keltische Funde bei Nittel sind Zeuge noch älterer Besiedlung dieser Gegend.

 
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